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23. Internationales Gitarren-Symposion Iserlohn 2014 – ein Leckerbissen für gitarristische Feinschmecker!

Gangolf Hontheim, Lebach

Als fanatischer Hobbyspieler habe ich auch in diesem Jahr mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen und nunmehr zum 10. Mal an dem Symposion teilgenommen. Vor diesem Erfahrungshintergrund hier mein Kurzbericht:

Vorangegangen war dem Kernfestival der 6. Internationale Gitarren-Wettbewerb, über den Andere berichten müssen. Ich konnte so früh nicht anreisen. Dem Vernehmen nach war aber auch dieser Wettbewerb wieder geprägt von einem atemberaubenden, jährlich sich steigernden Niveau der teils sehr jungen Teilnehmer.

Zum äußeren Rahmen des Festivals selbst: Hierzu wurde in früheren Jahren bereits einiges Konkrete geschrieben. Daher nur so viel: An dem durchgehenden Spitzenniveau hinsichtlich Organisation, Infrastruktur und Umgebung des ehrwürdigen Hauses Villigst, vor den Toren der Stadt Schwerte und am ländlich-idyllischen Oberlauf der Ruhr gelegen, und der kulinarischen Bestversorgung hat sich nichts geändert.

Zum inhaltlichen Angebot: Wieder umfasste die Rundumversorgung alles, was Herz und Verstand des anspruchsvollen, gitarristisch geprägten Kulturmenschen fordern. Die Präsenz vieler Gitarristen der Weltspitze, das Niveau der Konzerte, die individuellen Meisterkurse, Sachvorträge, die Ausstellung von Spitzeninstrumenten vieler TOP-Gitarrenbauer – sogar eine Hauser I von 1924 durfte ich spielen -, das Angebot an Noten und allem denkbaren Gitarrenzubehör, begleitende Kurse wie etwa Fingeraerobik oder Yoga und nicht zuletzt die lockere, aber dennoch von höchstem Fachanspruch geprägte Atmosphäre vom Frühstück bis zum nächtlichen Abtrunk bildeten wieder ein Paket, das sich nach überein stimmendem Bekunden globaler Festivalpilger – auch im vergleichenden Blick auf die sehr „verbraucherfreundlichen“ Teilnahmegebühren -als weltweit einzigartig darstellt! Es verwundert nicht, dass das Festival mit mehreren hundert Teilnehmern sich nach wie vor einer großen Nachfrage erfreut.

Regelmäßige Nachmittagskonzerte in der naturlichtgefluteten Kapelle der Anlage Villigst ergänzten das schon bisher üppige Angebot. Hier traten Apostolos Paraskevas, Shingo Fujii & Bill Kannengiser (bestens bekannt vom Los Angeles Guitar Quartet), das Trio Amaterasu und das Rucco-James Duo auf. Schon die Palette dieser Konzerte umfasste das Spektrum des aktuellen spieltechnischen Standes und der musikhistorischen wie kulturenumspannenden Breite.

Erwartungsgemäß entlud sich in den Abendkonzerten, die im Parktheater, in der neu restaurierten traumhaften Schauburg und in der altehrwürdigen Obersten Stadtkirche Iserlohn stattfanden, dann der Weltspitzenstand der Gitarristik bzw. Gitarrenbegleitung, geboten von der ersten Garnitur. In chronologischer, über die Woche verteilter Abfolge:

Der erst 14jährige, aber seit seinem verblüffenden Auftritt im vorletzten Festival schon bekannte und hochgeachtete Chinese Kuang Yunhong eröffnete wieder die Reihe: erwartungsgemäß makellos in Technik und Interpretationskultur. Ihm folgte Pavel Steidel, der in Spieltechnik, Interpretation, begleitender Mimik und Bühnenpräsenz unüberbietbar scheint. Das Duo Bandini (G) und Chiachiaretta (Bandoneon), aus mehreren Auftritten früherer Jahre in Iserlohn mit das Fassbare übersteigenden Konzerten bereits etabliert und diesmal erweitert um die Cerrato Brothers (Violine und Cello), präsentierte in kulturübergreifenden Wechseln und originellen Bearbeitungen die 4 Jahreszeiten, mal von Vivaldi, mal aus der Feder von Astor Piazzolla. Leon Koudelak spielte u.a. eine in Inhalt und Abfolge interessante Kombination aus dem Gitarrenkonzert und einigen Etuden von Villa-Lóbos.

Eine faustdicke Überraschung gelang dann mit dem Auftritt des den meisten bis dahin unbekannten jungen Kubaners René Izquierdo. Alle seine Interpretationen schienen befreit von spieltechnischen Hürden und Grenzen. Hier geschah nur Musik, etwa bei der wunderbar pianistisch perlenden Arabeske von Débussy in einer eigenen Bearbeitung. René prägte auch in den Folgetagen mit seiner sympathischen Präsenz und einer nimmersatten Spielfreude etwa an den Ausstellungsinstrumenten (die bis zu 8 Stunden am Tage währte!) die Begleitatmosphäre.

Anders, aber nicht mindern beglückend und entrückend der Auftritt des irisch schottischen Duos Aisling Agnew (Fl.) und Matthew McAllister (G). Unfassbar die Feinheit der Strukturen und Linien, unfassbar auch die spieltechnische, im Wortsinne atemberaubende Leistung der anmutigen Flötistin etwa in Bachs Sonate BWV 1034, den Bearbeitungen keltischer Traditionals oder der Carmen-Fantasie von Bizet! Erwartungsgemäß erfrischend dann der Auftritt des deutsch-venezolanischen Duos Montes-Kircher, das wie in bisherigen Auftritten nicht nur die Balance zwischen „E“- und „U“-Musik bewältigte, sondern diese Unterschiede verschwinden ließ. Außergewöhnlich stark auch der Auftritt des Los Angeles Guitar Quartet quer durch die Stilrichtungen und mit Eigenkompositionen bzw. –arrangements verschiedener seiner Mitglieder.

Dale Kavanagh, die aus Kanada stammende, weltweit anerkannte Gitarristin und Ehefrau des Organisators Thomas Kirchhoff, eröffnete mit Rodrigos Ausnahmewerk Invocacion y danza, jener dualistisch konzipierten Komposition, die den Kampf der Gegensäte von tiefster Depression bis hin zu deren taoistischer Auflösung thematisiert. Weitere Beiträge zeigten die stupende Technik Dales, etwa in der Beherrschung abenteuerlicher Arpeggien. Herzlichen Dank für die Praetorius-Zugabe! (Ich liebe die alte Musik). Makellos auch der Auftritt des Duos Newman & Oltman mit Albéniz-Bearbeitungen, aber auch seltener gehörten Werken von Hummel und Lowell Liebermann.

Nicht nur für mich äußerst beglückend war der Auftritt von Jorgos Panetsos, weil er vor seinen moderneren Beiträgen wieder ein Basiswerk unserer Kulturgeschichte erklingen ließ: La cancion del Emperador von Narváez, interpretiert in einer zeitentrückenden Würde. Die Musik der Renaissance erklingt viel zu selten bei modernen Festivals, obwohl sie über die weiteren Entwicklungsstufen des Barocks, der Klassik usw. eine Grundlage unseres heutigen musikalischen Materials und Verständnisses geworden und geblieben ist. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Rückbesinnung auf unsere altvorderen Meister!

Ein Hammer war der anschließende Auftritt des Arie Duo mit Anita Farcas (Fl) und Juan Carlos Arancibia (G): Unfassbar, wie die Flötistin halsbrecherische Passagen mühelos bewältigte, aber auch unfassbar die hochkomplexe wie virtuose, zugleich musikalische „Akkordarbeit“ des Gitarristen.

Der Freitagabend gehörte „alten Bekannten“ des Iserlohner Festivals: dem Baltic Guitar Quartet mit Bearbeitungen der Gogol-Suite von Alfred Schnittke und Eigenkompositionen des Mitglieds Chris Ruebens. Gekonnt und bereichernd wirkten hier die eingesetzten Klangeffekte und Gesangseinlagen. Dann betrat Jorge Caballero die Bühne, der vor einigen Jahren schon in Iserlohn für Furore gesorgt hatte. Er beherrscht Werke wie die chromatische Fantasie und Fuge von JSB, Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ oder Dvoraks „Aus der neuen Welt“ auf der Sologitarre! (Yamashita lässt grüßen!). Diesmal begann er mit einer Eigenbearbeitung von Präludium und Fuge Nr. 4 aus dem WTK von Bach und ließ die Bearbeitung einer Mozartsonate und das Capriccio Espanol von Rimsky-Korsakov folgen. Wie Jorge alleine die kombinatorische Leistung solch komplexer Titel bewältigte, bleibt ein Rätsel und unbeschreiblich!

Den Samstagabend bestritt wieder das aus zahlreichen Teilnehmern gebildete Ensemble mit eigens für diesen Anlass komponierten Werken von Shingo Fujii und der altbewährten Stimmungskanone Gerald García.

Als Fazit verbleiben: höchstes Lob für die Organisation, insbesondere Thomas Kirchhoff, höchstes Lob auch an die Interpreten, Dozenten und alle sonstigen Mitwirkenden, nicht zuletzt ein Dank auch an die vielen Mitteilnehmer und alten Bekannten, die die Woche zu einer insgesamt runden, gelungenen und im eigentlichen Wortsinne glücklichen Sache machten!

Für das kommende Jahr hat Thomas Kirchhoff schon die Angel ausgelegt und folgende Künstler bereits verpflichten können: ….

Anmeldungen zum Festival sind wie jedes Jahr ab Anfang November möglich.

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