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Symposion 2006 - Erfahrungsbericht aus Sicht zweier Teilnehmer

Von Gangolf Hontheim und Günter Weber, Lebach und Dudweiler

Nächtliche Party mit Eli
Nächtliche Party mit Eli
Was lässt sich über das 15. Internationale Gitarrensymposion, das vom 30. Juli bis zum 06. August 2006 wieder unter organisatorischer Leitung des Amadeus-Guitar-Duos (Thomas Kirchhoff und Dale Kavanagh) in Iserlohn stattfand, berichten? Eine ganze Menge, und zwar aus der unbestechlichen Sicht eines betagten, lebens- und musikerfahrenen Gitarrenduos. Wir beide sind Juristen und Familienväter, also mehrfach leidgeprüft und lebenserfahren; darüber hinaus seit Jahrzehnten fanatische Hobbygitarristen der alten Segovia-Bream-Prägung mit Konzert- und Studioerfahrung, also auch fachlich jenseits des Frischlingsstadiums und schon im Endreifeprozess wie ein gut gelagerter Rotwein! Seit einigen Jahren bilden wir das "Duo catalán". Die Bezeichnung ist eine Hommage an die großen Katalanen, die als Interpreten oder Komponisten die Gitarrenwelt bereichert haben.

Nachdem wir erstmals im Vorjahr am 14. Symposion mit solistischem Schwerpunkt als "Schüler" teilgenommen hatten, galt unser persönliches Lerninteresse in diesem Jahr daher der Duo-Interpretation. Selbstverständlich haben wir aber alles "mitgenommen", was ein Symposion dieser fachlichen und organisatorischen Qualität bietet:

Zunächst zum äußeren Rahmen: die herrliche und weitläufige Parkanlage um das "Haus Orthlohn", die Evangelische Akademie vor den Toren der Stadt Iserlohn, würde schon für einen Nichtmusiker als Urlaubsstandort lohnen, zumal sich das landschaftlich reizvolle Sauerland unmittelbar anschließt. Die Wohnkomplexe ebenso wie eine zum Musizieren höchst geeignete Kapelle und ein Gartenpavillon liegen harmonisch in die Gesamtanlage eingebettet. Allgegenwärtige Enten und Hasen teilen sich die äußere Anlage mit den Teilnehmern. Die Küche im Hauptkomplex ist superb. Sie bietet täglich ein Buffet-Frühstück, eine warme Mittagsmahlzeit und ein warm/kaltes Büffet-Abendessen - alles im Teilnahmepreis inbegriffen, der nach unserem Kenntnisstand bei vergleichbarem Angebot weltweit nicht unterboten wird! Auch die Unterkünfte sind in Ordnung. Und mittendrin der unentwegt wuselnde und um das Wohl aller besorgte Thomas Kirchhoff...

Einige statistische Daten zum diesjährigen Symposion: Anwesend waren 186 Teilnehmer aus 48 Ländern aller Kontinente, darunter 32 Dozenten von Weltrang. 30 Aussteller präsentierten während der Woche Spitzengitarren, Noten, Zubehör usw. mit Gitarren Viertmann, Chanterrel Verlag und Musik Trekel. elbstverständlich, dass man die Instrumente beliebig lange testen, sogar aufs Zimmer mitnehmen durfte.

Zum musikalischen Geschehen:

Der Duo-Unterricht hat auch uns "alten Hasen" Einiges gebracht. So hat uns Martha Masters (nachdem wir ihr am Abend zuvor angedroht hatten: "Tomorrow you will face your masters...") mit Geduld und gnadenloser Konsequenz einige grundlegende Techniken zum exakten Duo-Timing vermittelt, bis Perfektion eingetreten war. Sie hat uns eben gezeigt, wo der master - pardon: die masterin sitzt. Hubert Käppel präsentierten wir neben einem Bach-Arrangement die Toccata von Pierre Petit. Über seine Bemerkungen konnten wir begeistert sein (Ob er uns nur einige Streicheleinheiten verpassen wollte?). Mark Eden vom Eden-Stell-Duo schließlich öffnete uns die Augen für eine atemberaubende, sujetgerechte Interpretation des Córdoba von Albéniz, übrigens auf eine so lockere und angenehme Weise, dass wir jetzt wissen, was "positiver Stress" bedeutet. Mark Eden und Christoffer Stell waren übrigens auch unsere Zimmernachbarn, stets den Kopf voller Verrücktheiten und guter Laune. Bruce Holzmann vermittelte uns trotz oder gerade wegen seiner unnachahmlichen Gelassenheit einige bleibende Kniffe für die technische Bewältigung des "La vida breve" von de Falla. Musikalisch und musikhistorisch tiefgründig verliefen die Stunden bei Thomas Müller-Pering (mit "Intermezzo malinconico" von Ponce) und mit Frank Gerstmeier (mit der von Bream/Williams eingespielten bekannten Lawes-Suite).

Wie gewohnt gab es in der regelmäßig randvoll gefüllten Obersten Stadtkirche Iserlohn allabendlich ein Konzert der Spitzen- bis Weltspitzenklasse. Das Eröffnungskonzert mit einem breit gefächerten Repertoire bestritt David Russell mit der erwarteten Souveränität. Uns gefielen hier am besten zwei Fantasien von Francesco da Milano. Der nächste Konzertabend zeigte sich in der ersten Hälfte mit Hubert Käppel teils traditionell mit einer Bach-Suite, teils modern mit Brouwer und dem vom Interpreten simultan auch textlich überzeugend vorgetragenen "Cimarron" von Henze. Nicht minder überzeugend, wenn auch stilistisch völlig anders, präsentierten sich in der zweiten Hälfte dann Giampaolo Bandini/Gitarre und Cesare Chiacchiaretta/Bandoneon mit technisch und musikalisch in einem Guss und brillant vorgetragenen Werken aus dem Tango-Kulturkreis Südamerikas. Der folgende, diesmal dreigeteilte Abend präsentierte Martha Masters (ihre "Estrellita"-Zugabe war geradezu göttlich), den humorvoll-innovativ agierenden Österreicher Helmut Jasbar auf einer elektrisch verstärkten Sonderanfertigung und schließlich den Argentinier Carlos Moscardini mit Eigenkompositionen aus dem Formenkreis der argentinischen Folklore.

Nach unserer Vorstellung den Höhepunkt der Konzertwoche bildete dann der Mittwoch: Dennis Azabagic bot im ersten Teil mit den Villa-Lóbos-Präludien, den Collectici intimi von Asencio und vor allem den Variationen über den "Carneval in Venedig" nach Tárrega ein Feuerwerk solcher Wirkung, dass man am liebsten die Gitarre frustriert an den Nagel und sich selbst gleich daneben hängen mochte. Der zweite Teil geriet nicht minder furios: Das besagte Eden-Stell-Duo bewies nicht nur eine tiefe, höchst seriöse Musikalität (z.B. mit einer Transkription des Bach/Marcello-Konzerts), sondern auch originellen Auftrittswitz, etwa bei "Per suonare per Due" von Brouwer.

Für unseren Geschmack weniger mitreißend, aber technisch nicht minder solide verlief der nächste Abend mit dem Vater/Sohn-Duo Mats und Johannes Möller/Querflöte und Gitarre und dem Groningen Guitar Duo mit teils eindeutig zu langatmig gezogen Arrangements aus der Rockliteratur (McLaughlin und King Crimson). Eine interessante und wieder erfrischende Abwechslung bot dann der Freitag mit dem Los Angeles Guitar Quartet, das seine solide, zuweilen atemberaubende Technik quer über die Zeiten und Kulturen von Morley bis Liszt, von Bach bis Ralph Towner spannte. Das samstägliche Abschlusskonzert mit ausgewählten Schülern konnten wir leider aus privatterminlichen Gründen nicht mehr abwarten.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die gesellschaftlichen Höhepunkte an jedem Abend im Hauptgebäude, wenn die Teilnehmer ohne den Druck des Auftritts oder des Lernens sich bei Rotwein und Spezereien aus der Küche dem lockeren Fachgespräch mit den Weltprofis -wieder war eine Menge an großen Namen vertreten, die nicht alle an der Konzertreihe aktiv teilnehmen konnten - oder einfach nur dem Blödeln untereinander hingeben konnten. Eine angenehme Bereicherung brachten hierbei der jüngste Familienzuwachs bei Dale Kavanagh und Thomas Kirchhoff, Hundewelpe "Lucky", sowie der Spontanauftritt einer irischen Teilnehmergruppe mit improvisierter irischer Musik - selbstverständlich auf der Violine als Führungsinstrument, zu der die Gitarren nur die zweite Geige spielten.

Unser Entschluss steht fest, und er ist nach unserem Bericht wohl nachvollziehbar: Im nächsten Jahr sind wir wieder mit von der Partie. Dem Vernehmen nach hat aus diesem Grunde Pepe Romero schon sein Kommen zugesagt...

Desweiteren kommen in der Woche vom 29. Juli bis 5. August 2007: Eliot Fisk, Roland Dyens, die Katona Twins, Dale Kavanagh, das Duo Judicael Perroy und Jeremy Jouve (Frankreich), das Duo Newman und Oltman (USA), das Tantalus Quartet (USA), das Baltic Guitar Quartet, (Litauen), Laura Young (Kanada) für die Konzerte und zusätzlich zum Unterrichten noch Bruce Holzman, Frank Gerstmeier, Gerald Garcia, Ulrich Stracke, Hans-Werner Huppertz, Andrea Vettoretti, Roberto Limon und Thomas Kirchhoff. Anmeldungen ab November unter: www.guitarsymposium.com

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